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Schattenreich

Raus aus dem Alltag und rein in eine Welt mit einer Musikmischung aus Dark Wave und Gothic Rock. Zum Start auf die Grafik klicken.

Hinweis

Eine Meinungsäußerung wird nicht schon wegen ihrer herabsetzenden Wirkung für Dritte zur Schmähung. Auch eine überzogene und selbst eine ausfällige Kritik macht für sich genommen eine Äußerung noch nicht zur Schmähung. Eine herabsetzende Äußerung nimmt vielmehr erst dann den Charakter der Schmähung an, wenn in ihr nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Diffamierung der Person im Vordergrund steht (BVerfGE NJW 1991, 95–97 = BVerfGE 82, 272–285)

Streik

Ich bin uneingeschränkt solidarisch mit ALLEN Streikenden

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930 von 1000 sagen

Jobcenter-Mitarbeiter bei Fehlern und Verstößen persönlich haften lassen!

  • JA (93%, 930 Stimmen)
  • NEIN (7%, 71 Stimmen)

User gesamt: 1.001

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Artikel 2 GG

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich.

Sozialgesetzbuch

"Das Fernsehen ist nicht die Wahrheit. Das Fernsehen ist nichts weiter als ein gottverdammter Rummelplatz. Das Fernsehen ist ein Zirkus, ein Jahrmarkt, eine reisende Truppe von Akrobaten, Märchenerzählern, Tänzern, Sängern, Jongleuren, Abnormitäten, Löwenbändigern und Fußballspielern. Das Gewerbe ist da, um die Langeweile zu vertreiben.
Wenn Ihr die Wahrheit wollt, geht zu Gott, geht zu Euren Gurus, geht zu Euch selbst! Weil das die einzige Stelle ist, wo Ihr jemals die wirkliche Wahrheit finden könnt! Von uns werdet Ihr nie die Wahrheit hören! Wir erzählen Euch alles was Ihr hören wollt! Wir lügen wie die Teufel. Wir erzählen Euch, daß Kojak immer den Killer erwischt und daß nie jemand Krebs hat bei Archy Bankert zu Hause und egal wie tief der Held in Schwierigkeiten steckt, keine Angst, schaut nur auf die Uhr! Am Schluß der Sendung wird er gewinnen. Wir erzählen Euch jeden Scheiß, den Ihr hören wollt. Wir handeln mit Illusionen! Nichts davon ist wahr!
Aber Ihr Freunde, Ihr sitzt da! Tag für Tag, Abend für Abend. Alle Altersgruppen, Hautfarben, Glaubensbekenntnise. Wir sind alles was Ihr kennt! Ihr fangt an, den Blödsinn zu glauben, den wir hier verzapfen. Ihr fangt an zu glauben, daß die Röhre die Wirklichkeit ist und Euer eigenes Leben unwirklich ist. Was immer die Röhre Euch auch sagt, Ihr tut es! Ihr zieht Euch so an, Ihr esst so, Ihr erzieht Eure Kinder so - ja Ihr denkt sogar wie die Röhre!
Das ist Massenwahnsinn, Ihr Verrückten! Im Namen Gottes! Ihr Menschen seid die Realität! Wir sind die Illusion! Also schaltet Eure Fernseher aus! Schaltet sie ab!"

Aus dem Film "Network".

Kann man anklicken

Der Normalbürger

Der Normalbürger hat heutzutage ein von den Medien und den entsprechenden Fachleuten ausgearbeitetes und exakt in sich geschlossenes Weltbild, das so beschaffen ist, daß keinerlei Fragen offen zu bleiben scheinen. Abstrakte Gebilde wie “die Wissenschaft”, die “Pharmazie”, der “Kapitalismus”, das “System” etc. beherrschen das Bild. Jeder Normalbürger weiß, diese Institutionen sind jeder Bedrohung und jedem Problem gewachsen, sie sind für den Normalbürger sozusagen eine Art Mutterersatz, ein sanftes Ruhekissen, auf dem man sich nach getaner Arbeit niederlassen kann. “Die werden schon alles regeln”.

Der Normalbürger hat ein fast schon groteskes Vertrauen in abstrakte Institutionen, die die Welt schon retten werden. Alles sei unter Kontrolle. Auch steht für jeden Bürger fest, daß in bezug auf die wirklich wichtigen Fragen unserer Zeit keinerlei Handlungsbedarf besteht, da eben diese Institutionen schon einspringen werden und ja ohnehin an den Lösungen arbeiten. Es ist alles nur noch eine Frage der Zeit, bis alle Probleme gelöst sein werden, ist deren Devise. Auch denken die Bürger, daß es ihnen noch nie so gut ging wie heute, daß sie noch nie freier gewesen wären, daß sie noch nie so viele Rechte und noch nie einen so großen Wohlstand gehabt hätten. Somit ist für den Bürger klar, er hat nur seine Position im System zu erfüllen und alles werde gut.

Der Bürger weiß, dank “Gentechnik”, “Biotechnologie”, “Computer”, “New Economy”, “Functional Food”, der “neuen Technologien” und so weiter wird es diese Probleme in naher Zukunft nicht mehr geben. Es müssen mehr Nahrungsmittel produziert werden und bessere Agrartechnologien entwickelt werden, sonst kann man das Welthungerproblem nicht lösen, ist sich der Bürger sicher.

Er sieht und hört in den Medien, wie emsig die internationalen Institutionen und “die Wissenschaft” an den Problemen arbeiten und hofft daher auf eine bessere Zukunft, auch für die Menschen in den Entwicklungsländern. Die Gentechnologie z. B. wird in seiner Meinung auch das leidige Problem der vielen genetischen rankheiten lösen, auch Krebs, Aids und andere Krankheiten werden damit in Zukunft besiegt werden. Auch die Autoindustrie entwickelt in der Zwischenzeit treibstoffsparende Autos mit Katalysatoren, die helfen, die Umwelt rein zu halten und weniger fossile Brennstoffe zu verbrauchen.

Er ist sich hundertprozentig und unerschütterlich sicher, die besten und nur die besten Technologien werden von der Wissenschaft eingesetzt, um die Menschheit in eine gute Zukunft zu führen, doch er weiß aus den Medien auch, dass man hier Kompromisse schließen muss. Entweder – Oer, beherrscht sein Denken. Entweder Auto oder Radfahren, Atom oder kein Strom, Arbeit oder gesellschaftliches Abseits, Kapitalismus oder Kommunismus, Demokratie oder Diktatur, das sind die Alternativen, die er kennt und keine anderen.

Er hingegen weiß, er macht mit seinen Spenden, mit seinen sozialen Aktivitäten, mit seinem Engagement das eindeutig Richtige. Und das ist ihm auch durchaus sein Geld wert, im Kampf gegen diese Probleme, Bedrohungen und gegen diese Krankheiten u.a.. Er sieht wie die Wissenschaft kämpft, und unbewusst möchte er sie in diesem Kampf unterstützen”, für die richtige Seite, im Kampf für treibstoffsparende Autos, effektivere Medizin, bessere Schulausbildung usw., es könnte ja auch ihn selber mit all diesen Problemen” einmal treffen.

Diesbezüglich hat der Bürger also durchaus Problembewusstsein und aus einer rationalen, logischen und grundvernünftigen Sicht kann er ja nur Recht haben, das weiß er.
Was jedoch die Wirtschaft betrifft, so ist sich der Bürger bewusst, die ist zu kompliziert. Solche Dinge übersteigen sein Fassungsvermögen. Daher überlässt er das besser den Fachleuten. Diese haben den Durchblick. Daß die Währung stabil bleibt, daß es keine größeren Finanzkrisen geben kann, steht für ihn fest. Heute ist die Welt vernetzt, so etwas wie früher gibt es nicht mehr, diese Zeiten sind vorbei, Friede, Freude, Eierkuchen, davon ist er felsenfest überzeugt. Daher legt er seine Vermögensplanung lieber in die Hände von Experten, die ihm Aktien, Fonds, Versicherungen etc. verkaufen, für eine sichere Zukunft. Diese vermehren sein Geld ohne sein Zutun, doch er weiß auch, daß das auch mit Risiko verbunden sein kann, weil es so mancher Bankberater ihm (noch) mitteilt. Läßt er sein Geld jedoch bei der Bank liegen, so ist er auf der sicheren Seite, weiß er, es kann ihm nichts passieren. Schließlich gibt es ja den Einlagensicherungsfonds. Er bekommt also garantiert sein Geld zurück, was auch immer passiert. Außerdem steigen Aktien langfristig. Man darf nur nicht verkaufen. So wird man automatisch reich. So folgt er den Ratschlagen der Experten, und sein Geld fließt dahin, wo es am produktivsten” “arbeitet – also in die Entwicklungsländer, in Billigarbeit, Kinderarbeit, Ausbeutung, Kriegswirtschaft, Blut und Tränen. Die Folgen sind Outsourcing, Lohndumping, Stellen- und Sozialabbau, Mord. Doch davon ahnt er nichts, will er auch partout und unter keinen Umständen etwas wissen, denn das geht ihn nichts an, damit will er lieber nichts zu tun haben. “Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß”. Solange nur die Rendite stimmt, ist ihm egal, was die Experten mit seinem Geld machen. Ansonsten geht er auf die Barrikaden, der Herr Nachbar darf um keinen Preis der Welt mehr Rendite erzielen als er, sonst würde er ja danebenstehen, sonst wäre er der Dumme. Er kann nicht ertragen, wie andere finanziellen Erfolg haben und er nicht. Denn dann geht er sofort auf die Barrikaden und mutiert zum geldgierigen Tier, das um der Rendite willen an den Lippen des Finanzberaters hängt, jedes Wort einsaugt wie ein Verdurstender einen Tropfen Tau und sich jede noch so risikoreiche wie schwachsinnige Anlage andrehen lässt, wie z. B. “China Prosperity”, “DER”, “Fonds” für den erfolgreichen Anleger (Klorollenhersteller in China).

Er wundert sich nur, warum ihm in der Wirtschaftswelt ein immer rauerer Wind um die Ohren pfeift, warum der Arbeitsdruck immer mehr ansteigt, warum seine Kollegen entlassen werden, warum ganze Abteilungen ins Ausland verlegt werden, wieso die Welt immer härter zu werden scheint. Er versteht es einfach nicht und schüttelt den Kopf. Eigentlich ist er ja gegen die Globalisierung, aber andererseits läßt sich der Fortschritt ja nicht aufhalten. Nur eine grenzenlose Wirtschaftswelt ist eine freie Welt, so weiß er aus den Medien, wenn nicht bewusst, dann zumindestens unbewusst. Auch dafür müssen Opfer gebracht werden, auch das ist Teil des Fortschritts. Manches mag ihm zwar nicht gefallen, doch letzten Endes geht es ihm hier, in der goldenen ersten Welt, ja immer noch hunderttausend Mal besser als den armen Menschen in den Entwicklungsländern, die er täglich immer und immer wieder im Fernseher vor sich hinsiechen, leiden oder verhungern sieht. Daher beißt er die Zähne zusammen und sagt sich vor “Jede Arbeit ist besser als keine Arbeit”. Sinngemäß also “Arbeit macht frei”, er kann sich nur nicht richtig so daran erinnern, wo er diesen Satz zum letzten Mal gehört hat. Das Heer der Arbeitslosen bestärkt ihn in dieser Ansicht und versetzt die Arbeitgeber in höchstes Entzücken. Lohndrücken und Arbeitsvertrag-Drücken fällt da schon leichter, auch “interessante” Arbeitsverträge, die vormalige Arbeitnehmer in “Selbständige” verwandelt, sind beliebt.

Wenn ihm der Arbeitsdruck und das Leiden dann doch zu groß werden, dann flieht der Bürger in seine kleine Welt, “My Home is my Castle”, denn er muß sich ja auch einmal etwas gönnen. Er gleicht den Verlust seiner persönlichen Freiheit mit Konsumgütern aus. Das Konzept Freiheit hat er ja schon lange ad acta gelegt, von einigen aufrührerischen Momenten am Beginn seines Arbeitslebens abgesehen, aber das war ja eh nur das übliche jugendliche Rebellentum. Und überhaupt gewöhnt man sich ja an alles, wenn man nur lange genug in der Scheiße sitzt, merkt man es nicht mehr. Doch irgendwie ahnt er dunkel und weit entfernt, eigentlich geht ihm ja etwas ab, etwas wichtiges, nur was? Um das zu verdrängen, verbringt er seine Freizeit mit dem Konsumieren von Drogen, Alkohol, Zigaretten, Essen, Sex, Pornografie, Gewaltfilmen, Fernsehen, mit Talkshows, Einkaufen, Handytelefonieren, Auto kaufen oder vorführen, etc.. Das verschafft ihm den nötigen Ausgleich, er muß sich nämlich ablenken, vor allem von sich selbst und dem Sinn des endlosen Produzierens und Konsumierens. Zur Ruhe kommen hieße ja nämlich, mit Problemen konfrontiert werden, von denen er nichts wissen will. Mit sich selbst kann er ja schon überhaupt nichts anfangen, deswegen hat er regelrecht Angst davor, mal aus seinem hyperaktiven Treiben herausgerissen zu werden und in die Lage zu kommen, nachdenken zu müssen. Zudem lebt er durch Ablenkung und Ersatzbefriedigungen wie o.a. seinen Freiheitsdrang aus. In Film und Fernsehen projiziert er sich selbst auf den Hauptdarsteller und erlebt dessen Abenteuer als seine eigenen Abenteuer. Dazwischendrin konsumiert er unterschwellige Werbung und wird reizüberflutet durch kurzgeschnittene im Sekundentakt wechselnde Clips, Infopanels, Sound Effects und ähnliches. Daß all diese auf ihn auch nur den geringsten Einfluß haben sollten, lehnt er generell ab. Er schließt es von vorneherein aus. “Ich tue, was ich will”, ich bin mein eigener Herr”, sagt er mit überzeugter, fester Stimme. Ich bin ich und sonst niemand. Daß es eine Tatsache ist, daß bei einer Wahl nach 10% der ausgezählten Stimmen die restlichen 90% der Bevölkerung mit 95%iger Sicherheit vorhergesagt werden können, glaubt er entweder nicht, mißt dem keine besondere Bedeutung zu oder hält es für Zufall. Oder er glaubt oder besser gesagt nimmt es zur Kenntnis, macht sich aber eigentlich keine tieferen Gedanken dazu. “Es ist halt so, na und?” Mathematik ist aber auch nicht jedermanns Sache und überhaupt hat er dort in der Schule eigentlich nie aufgepasst. Dennoch glaubt er ernsthaft, er habe eine freie Meinung. Auch glaubt er an Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und an die Demokratie. Vor allem die freie Presse und der freie Buchhandel ist eines seiner Lieblingsthemen, irgendwie weiß er die sind ganz” wichtig. “rgendwo hat er das schon mal gehört. Daß er aber nie oder nur sehr selten ein Buch liest, und wenn, dann höchstens “Harry Potter” (= Anleitung zum Okkultismus, auch schon für die Kleinsten!) oder “Loveboat”, scheint ihn nicht sonderlich zu stören. Man hat Wichtigeres zu tun. “Der Lack hat schon wieder einen Kratzer”, “Die Fernseher einen Strich”, “Der Computer spinnt”, Die “Dachrinne tropft”, “Ich muss jetzt Big Brother sehen” etc..

Seine Zielvorstellungen und seine Vorstellungen vom sinnvollen Leben reduzieren sich im Kern auf Produzieren und Konsumieren, auf das Erschaffen und Vernichten von Gütern und Dienstleistungen. Auf das Arbeiten und auf die Kompensation des Leidensdruckes der Arbeit durch Luxus, Bequemlichkeit, Ablenkung etc. Als Motivation und für ihn erstrebenswerte Zielvorstellung kommen ihm dabei die zahlreichen Bilder über Luxus und Wohlstand in den Sinn, die er zu Millionen im Kopf hat. Er weiß, wenn er das alles erst hat, dann ist er wirklich glücklich und dafür muß er sich anstrengen, dafür lohnt sich die Arbeit. Irgendwann, so glaubt er, erreicht er es auch. Leider machen ihm wirtschaftliche Zwänge immerzu einen Strich durch die Rechnung, was er mit rücksichtsloserem Vordrängen in der Ellenbogengesellschaft und intelligenten Taktiken oder puren Egoismus kompensiert, denn von nichts kommt nichts, ohne Fleiß kein Preis, zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Leider macht ihm auch die Gesundheit zu schaffen. Der Arzt meinte, er solle nicht so fett essen, nicht so stark würzen etc., doch er weiß, einmal sagen die dies, einmal das. Heute sagen sie, Milch ist gut für die Knochen, und morgen schon sagen sie daß Milch Osteoporose auslöst. Man kann sich eben auch dort auf nichts verlassen, das ganze ist viel zu kompliziert, also überlässt er das Kapitel Gesundheit eben den Fachleuten wie Ärzteschaft oder Pharmakonzernen. Die Ärzte werden seinen Körper schon “reparieren” wie ein Klempner den Wasserhahn, denn dazu sind sie ja schließlich da. Auf sein “richtiges Essen” braucht er also nicht verzichten, die sorgen schon dafür, daß es ihm gut geht. Notfalls legen sie einen Bypass, das zahlt dann die Krankenkasse. Ist zwar nicht billig, aber er hat ja so lange eingezahlt, jetzt will er auch was dafür bekommen. So geht es auch mit seiner Gesundheit ständig und immer weiter bergab, trotz der Fortschritte der Medizin und aller tollen neuen Technologien, trotz aller Wunderpillen und Innovationen”. Von Alternativmedizin will er nichts wissen, da wirft man nur sein Geld hinaus und überhaupt ist das wissenschaftlich nicht anerkannt und Abzockerei. Heilpraktiker = Quacksalber, neulich gehört in “Medizin aktuell”. Ich bin voll informiert!. Die Magnetmatten- und Glaspyramidenverkäufer sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst.

So läuft und läuft er bis zur Pension, wenn er diese erreichen kann, wie ein Hamster in der Tretmühle oder die Ratte beim Rattenrennen. Der Kilometerzähler der Hamstermühle bzw. der Kilometerstein am Straßenrand der Rattenstrecke ist sein Antrieb und seine Motivation, so weit ist er schon gekommen, hat er es gebracht. Andererseits aber macht er sich immer noch Hoffnung, daß er es doch noch erreicht, die Hoffnung stirbt zuletzt. Die, die von vorneherein der Meinung waren, daß es in dieser Gesellschaft in diesem System unglücklicherweise nur den Reichen vergönnt ist, in Saus und Braus zu leben und alles zu haben, die “linken Terroristen”, “Anarchisten”, “Steinewerfer” usw., für diese hat er nur Verachtung übrig. “Das sind Parasiten der Gesellschaft die nichts arbeiten, nur herumgammeln, morden, klauen und stehlen und dem Staat viel Geld kosten, wenn sie protestieren gehen und deren Weltbild, das verdient den Namen ja nicht mal. Und deren Theorien… – wissenschaftlich ja nicht anerkannt und jeder Wirtschaftsfachmann kann darüber nur lachen. Die sollen gefälligst was arbeiten und wenn sie nicht wollen, dann muß man sie eben zwingen (Zwangsarbeit). Denen gehört jede Unterstützung gestrichen (sollen verhungern) oder gleich einsperren (KZ)”. Gute, fleißig arbeitende, völlig verdummte und extrem oberflächliche Mittelstandsignoranten wie Zlatko hingegen verdienen Respekt. “Deutscher Fleiß und deutsche Gründlichkeit” – “Arbeitet und denkt nicht, denn Arbeit macht frei”. Insgeheim ein Vorbild, man sieht ja, Zlatko hat es zu etwas gebracht. Wenn solche wie Zlatko es schaffen können, dann kann er es doch auch. “Man sieht, auch als ignoranter, unwissender Vollidiot kann man es durchaus zu etwas bringen”, ist die tolle Botschaft, die aus den Flimmerkästen im Halbschlaf des Alphawellenrhythmus in die Gehirne einsickert, ebenso wie Botschaften wie “nichts wissen macht auch nichts”, besser “nichts wissen und gut leben”. Zudem sieht man, macht es ja nichts, überwacht zu werden. Man kann auch so gut leben. “Hauptsache mir geht’s gut”. Wie beruhigend, daß die Erkenntnisse der überaus erfolgreichen Psychohygiene und Gleichschaltung aus dem Dritten Reich sowie die Erkenntnisse der gesamten psychologischen Forschung bis heute dazu benutzt werden, den Bürgern über den Volksempfänger und neuerdings auch schon über ELF Sendeanlagen (man geht mit der Zeit!) nach allen Regeln und Möglichkeiten der Kunst derart vorteilhafte Ideologien und Ideen in den Kopf zu hämmern, oder besser gesagt, still und leise einzuflößen – jeden Tag hundertmal jenes Sätzchen und dann wieder dieses Sätzchen und dieses Bild und diese Botschaft und alles schön subliminal und still und leise. Macht im Jahr X tausend Manipulationen …..und nach X Jahren X zehntausend usw…… und irgendwann hat man die Bürger zu völlig verblödeten, oberflächlichen Ignoranten modifiziert, die strebsam Arbeiten, die Klappe halten und das noch ernsthaft für das Leben halten und sich artig bedanken, wenn sie einmal im Jahr Urlaub machen können, Billigurlaub in Griechenland, zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit, wie es im Gesetz heißt.

Der Lebenssinn? – Funkstille, Rauschen im Äther – . Generell beschäftigen sich die Bürger lieber nicht mit Fragen wie diesen, mit Fragen über das Leben oder den Tod oder dem Sinn des ganzen wahnsinnigen Treibens, solange es sich irgendwie verdrängen lässt. Insbesondere die Frage nach dem (Lebens-)Sinn ist irgendwie unangenehm, nur warum, das scheint der Bürger nicht so genau zu wissen. Aber ansonsten weiß er ja eigentlich alles, er ist “umfassend gebildet”, “Fernsehen bildet” ja bekanntlich. Er hält es daher auch nicht für nötig, sich darüber hinaus noch zu informieren, das ist ja auch nicht nötig, er weiß ja schon alles. Und er weiß auch, daß er alles weiß. Zumindest das Wichtige, das, was man zum Leben braucht, das, was aus den Medien stammt. Doch gegenüber den Medien hat er keine Vorbehalte, denn die decken ja auch auf und verändern damit die Welt positiv, bringen die schonungslose Wahrheit. Nur bei Prinzessin Diana vergoss er eine Träne. Die bösen Paparazzi! Die arme Prinzessin!

Die Wahrheit ist das, was alle glauben. Außerdem ist nicht wahr, was nicht wahr sein darf. Dazu gehören unter anderem auch Dinge wie diese Hypothesen von der Umverteilung von arm nach reich durch die Zinsen, mit denen sich der Normalbürger entweder gar nicht oder nur äußerst oberflächlich beschäftigt. Wie ein Reicher leistungslos immer mehr Geld bekommt und jede Nacht während er schläft Geld “erwirtschaftet”, für das er selbst monatelang arbeiten muß, das ist für ihn ein Mysterium der hochkomplexen Wirtschaft, ein unlösbares Paradoxon. Ungerecht findet er es ja eigentlich, aber die Welt der Reichen ist sowieso für ihn unverständlich, damit hat er nichts am Hut und eigentlich ärgert es ihn, sich darüber Gedanken zu machen, daher macht er sich lieber keine. Er wundert sich nur, woher die das Geld bekommen. Er lässt jedoch bald schon davon ab, diese Frage weiterzuverfolgen, denn das ist eben zu kompliziert. So wundert er sich dann auch, warum die Staatsschulden vorne und hinten explodieren, wieso die Sozialleistungen vorne und hinten gekürzt werden und er immer mehr Geld an den Staat verliert. Laut ruft er “Steuersenkung!” oder die “Lohnnebenkosten” sind zu hoch! Am selben Tag tritt im Fernsehen ein Multimillionär von einem Politiker ans Rednerpult und brüllt mit klarer, fester, schneidender Stimme: “Fusionen bringen Arbeitsplätze!!! Wir müssen rationalisieren! Der Staat hat sich nicht mehr in die Wirtschaft einzumischen! Die Überregulation muß ein Ende haben! Laßt uns den Staatsinterventionalismus zu Grabe tragen! Der freie Markt garantiert den Wohlstand!”. Alle klatschen. Dann fühlt auch er sich besser – es gibt halt noch die “Ehrlichen, die “Guten”, und für einen Moment fühlt er sich erleichtert von seiner Wut “auf die bösen Nichtstuer und Sozialschmarotzer”, gerade so, als ob er noch jung wäre und die Katze am Schwanz gezogen hätte. Der hat es denen gegeben, recht hat er, die sollen bloß arbeiten! Was aber gemeint ist, hat er dennoch nicht begriffen.

Angesichts seiner Überforderung mit solchen Dingen geht er dann dazu über, die bösen Ausländer anzugreifen. Oder auch die Politiker, die bösen Konzerne, die verdammten Sozialschmarotzer, die überhöhten Sozialausgaben, die ständig kranken Hypochonder, die verwöhnten Leute, denen es viel zu gut geht. Nichts desto trotz hat er immer noch genug Geld, um mobil zu telefonieren, auch für die ISDN Standleitung hat er noch Geld, denn die braucht man, schließlich schreibt er dann und wann lustige 1,5 Kilobyte große Emails an seine Freunde bzw. lädt sich Pornos aus dem Internet herunter. Daß sein handyvertelefoniertes Geld nebenbei für den Ausbau einer totalitären Überwachungsinfrastruktur eingesetzt werden könnte, mit der letztlich jeder Bürger in der Zukunft kontrolliert werden wird, interessiert ihn eigentlich nicht wirklich. “Na und? Was juckt es mich wenn die mehr wissen als ich über mich selbst”. Überhaupt sind solche Szenarien Fantasien von Spinner. Wir leben ja in einem “freien Land” und nichts gilt höher als die “individuellen Rechte”.

Auch im Internet verhalten sich diese genauso fortschrittlich wie anderswo. Der Bürger hat es sich zur “guten Gewohnheit” gemacht, mit seiner richtigen IP Adresse auf den einschlägigen Seiten zu surfen und hat auch immer den Hotkey bereit, um den Bildschirminhalt verschwinden zu lassen, falls zufälligerweise Gott oder seine Frau durch die Türe tritt, denn man muß auf alles vorbereitet sein und wir wollen das jüngste Gericht ja nicht vorzeitig starten lassen. Auch füllt er wahrheitsgemäß alle Fragen in diversen Formularen, die meistens mit intelligenten, aber auch diskreten Fragen, wie z.B. nach den ersten 4 Ziffern der Kreditkartennummern (bei Lycos zu bestaunen) aus, und seien sie wie gesagt auch noch so dämlich oder privat, schließlich macht es ja nichts, wenn die Firmen oder sonst jemand alles über ihn wissen, so bekommt er wenigstens die Mails, die seinen vorrangigen Interessen (Männer: Fußball, Autos, Sex ; Frauen: Klamotten, Diamanten, Parfüms, Luxus, mächtige Männer (auch wenn sie hässlich sind), und zuletzt Sex, was die Männerwelt EXTREM freut) entsprechen oder die “richtigen Magazine”. So wird über ihn in einem Militärbunker in den USA ein vollständiges Datenprofil angelegt mittels militärischen, hochentwickelten Programmen (Echelon-Projekt), die von den besten und hochbezahltesten Fachleuten auf diesem Gebiet entwickelt wurden. Diese ermitteln mittels auf Computerprogrammen basierender künstlicher Intelligenz und raffinierten Vergleichsmethoden Daten über ihn und dann wird, unter Einbeziehung einer größeren Anzahl weiterer Daten, wie z. B. Handy oder Kreditkartenbewegungsprofilen oder Geheimdienstdaten, ein exakt zutreffendes Profil über ihn erstellt, das dann in die Rasterfahndung gegen “Systemkritiker und andere Terroristen” mit einfließt. So können Systemkritiker von “guten Bürgern” wie ihn separiert werden, deren mit Sicherheit “finstere Pläne” vereitelt und diese “Terroristen” endlich unschädlich gemacht werden, damit er sich nicht mehr vor ihnen zu fürchten braucht; denn er sieht ja regelmäßig Aktenzeichen XY und ist daher “voll” informiert.

So geht die Abwärtsspirale für unseren guten Staatsbürger weiter, und je schlimmer die Zustände werden, desto mehr wird er radikalisiert, er geht zu den Nationalsozialisten, den Linken, den Grünen, den Kommunisten oder zu den Okkultisten oder gar zu den Schwarzmagiern.

Sein Nachbar, ein “ganz seltsamer”, redet in dieser Zeit vermehrt vom “kapitalistischen System”, von “Zinsen”, von “logischen Folgen” usw.. Er gibt ganz verrückte Sachen von sich und redet wirres Zeug, wie z. B. daß man jetzt sein Vermögen “richtig” anlegen sollte in Gold und Silber und besser keine langfristigen Verbindlichkeiten oder Versicherungen haben sollte. Natürlich kann der gute Staatsbürger darüber nur “milde lächelnd” den Kopf schütteln und vor sich hin grinsen… Gold und Silber ist doch eigentlich kein “richtiges” Geld mehr! Und überhaupt, da hat man ja “überhaupt keine Rendite und kriegt keine Zinsen”, das Geld “faulenzt” sozusagen. “Mein Geld aber soll arbeiten!!!”

Über den Spinner sagt er: “Wie kann man bloß soooo dumm sein??” oder “Was es nicht alles für Leute gibt…”.. “Den Leuten geht es eben viel zu gut”.
Eines schönen Tages kommt dann eine Wirtschaftskrise und trifft ihn und alle anderen (bis auf die Superreichen und einige Vorbereitete), aus heiterem Himmel, “völlig unvorhersehbar” und völlig überraschend. Er verliert seine ganzen Ersparnisse, die Bank hat zufälligerweise geschlossen, die Währung ist hyperinflationiert, seine langfristigen Kredite (z. B. auf die Wohnung) und sonstigen Verbindlichkeiten platzen, sein Vermögen wird von der Bank zwangsgepfändet und seine Schulden bleiben hundertfach erhöht bestehen. Damit verliert er alles, auch sein ganzes Weltbild von der glücklichen, reichen, schönen neuen Welt und so beginnt er zum ersten Mal in seinem Leben nachzudenken. Da erinnert er sich an seinen Nachbarn, diesen komischen Kauz mit den sehr sehr seltsamen Ansichten, über den er insgeheim immer gelacht hat. Er erinnert sich, warnte ihn dieser vor einiger Zeit nicht davor, er solle sein Geld bloß nicht in Aktien und Versicherungen anlegen, er solle schnellstens seine Schulden tilgen und besser Gold und Silber kaufen?? Ja, so war es doch! Der hat also davon gewußt! Der wußte es und hat mich nicht gewarnt, der ist jetzt reich geworden damit, und ich habe alles verloren!!!! So ein Dreckschwein!!!! Schnell beendet er seine theoretischen Überlegungen und schreitet mit den vielen anderen arg gebeutelten “guten Staatsbürgern” seiner Nachbarschaft zur Tat. Der komische Kauz wird von marodierenden Horden,endgültig außer Kontrolle geratener Bürger am nächsten Baum aufgehängt, im “Namen der Gerechtigkeit”. Danach fühlt er sich wieder besser, schließlich hat er ja eigentlich nur einmal zugeschlagen. Im darauf folgenden Bürgerkrieg verliert er sein Leben, er stirbt heldenhaft im Kampf und mit ihm seine ganze endlose, unendliche, unbeschreibliche, himmelschreiende Dummheit, Arroganz und Ignoranz, zum höchsten Glück der gesamten lebendigen Schöpfung und aller denkenden und fühlenden Lebewesen.

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